Giftstoffe in Kleidung und Kleiderstoffen

Über schädigenden Farbstoffe welche die Gesundheit beeinträchtigen bis zu toxischen “Anti-Knitter-Mitteln” – eine Menge an Chemikalien sind in unserer Kleidung versteckt


Von Nano und Mikroplastik, das wird während des Waschens der Kleidung frei wird, bis schließlich zu Millionen Tonnen von Kleidungsstücken, hunderttausenden Masken, die auf Abfallhalden enden – jedem ist vollkommen klar, wie sich unser Verhalten auf die Natur, unsere Umwelt auswirkt. Was bewirken aber diese chemischen Stoffe, die zur Produktion von Stoffen, Kleidung eingesetzt werden, wenn es um unsere Gesundheit geht?

Geht es neben Kleidung auch um gefärbte Stoffmasken?

Die Stoffmasken, ob gefärbt oder nicht, ganz genauso wie die Einwegmasken, fallen unter die allgemeinen Regelungen, die für “Mode” im gröberen Sinne geltend sind. Dass diese Regulierungen nicht nur wenig wirksam sind, unzureichende Kontrolle gang und gäbe ist, ist längst bekannt. Die Massenproduktion von Masken in aller Herren Länder ist ein riesiges Geschäft. Ein Schelm, der meint, man könnte, um des Profites willen, billigste Grundmaterialien verwenden.

How toxic are my clothes?

Es gibt im Internet eine Plattform, die sich mit diesem Thema beschäftigt. Wilson Oryema, ein Model und bekannter Umweltaktivist möchte mit seiner Seite “How Toxic Are My Clothes?” das Bewusstsein schärfen, für die Vielzahl von Giftstoffen, die im chemischen Herstellungsprozess verwendet werden, um den individuellen Kundenwünschen gerecht zu werden.

“Chemikalien sind in der Mode zur Norm geworden”

meint der Aktivist.

“Niemand denkt über die Gefahren nach, die beim Tragen chemisch belasteter Kleidung entstehen.”

Plastic is going to eat you!
Plastic is going to eat you!

Warum überhaupt Chemikalien in Kleiderstoffen?

„Chemikalien werden aus verschiedenen funktionalen Zwecken für Kleidung eingesetzt, etwa um sie weicher, knitterfrei oder schrumpffrei zu machen”

sagt Dr. Linda Greer, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute for Public and Environmental Affairs, das in Washington D.C. Zuhause ist. Es gäbe eine Menge an Gründen, diese hochtoxischen Stoffe bei der Produktion von Kleidung zu verbieten.

Alternativen möglich?

Es existieren letztlich nur eine beschränkte Anzahl dieser Chemikalien – sicherlich können ungefährliche Alternativen gefunden werden. Über die Kostenfaktoren dieser Alternativen schweigt die Wissenschaftlerin. Auch, dass durch die Industrie der verrufene Weichmacher Bisphenol A einfach durch den genauso gefährlichen Stoff Bisphenol S ersetzt wurde. Ein Spielchen.

The bees are you!
The bees are you!

Welche Chemikalien benutzt man am Häufigsten in der Textilindustrie?

Im Jahre 2011 erhielt die Ökologiebewegung Greenpeace mit der “Detox My Fashion”-Kampagne großen Zuspruch. Greenpeace veröffentlichte damals elf unterschiedliche Gruppen von giftigen, hochgefährlichen Chmekikalien, die man in der Modeinstrie, in der Fabrikation von Kleidung und Stoffen, gehäuft vorfindet.So beispielsweise per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), die werden als Schmutz- und Flüssigkeitsabweisende Beschichtungen angewandt, ebenso diverse Flammschutzmittel, die Kleidung schwerer entflammbar gestalten.

Zusatzstoffe schädigen Hormonhaushalt?

Die United States Environmental Protection Agency bestätigt, dass diese Zusatzstoffe schädigenden Einfluss auf den das Immunsystem haben ganz henaus so, wie sie den Hormonhaushalt ganz empfindlich beeinträchtigen. Nicht genug der schlechten Nachrichten: Die hinreichend in die Schlagzeilen geratenen Phthalate, Weichmacher und zur Produktion jedweden Kunststoffes unabdingbar, beeinträchtigen die Zeugungsfähigkeit – die Schwermetalle, die sich in nahezu allen Farbstoffen finden, schädigen bewiesenermaßen unser Nervensystem.

Last tree
Erst wenn der letzte Baum gefällt …

Wie sieht es mit den Formaldehyden aus?

Ausgesprochen giftige Chemie stellen auch die Formaldehyde dar. Sie werden bei der Produktion zugestezt, um zu vermeiden, das die hergestellte Stoffbahn zerknittert. Das amerikanische National Cancer Institute bestätigt, dass Formaldehyde krebserregend sind, sie verursachen zudem nicht ungefährliche Reizungen der Haut.

„Formaldehyd ist eine bekannte Problem-Chemikalie“

unterstreicht Dr. Linda Greer.

Gibt es denn keine Gesetze?

Da sind durchaus Regelungen, welche den Gebrauch etlicher dieser Chemieprodukte restriktieren. So gibt es zum Beispiel die REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) der Europäischen Union. Sie hätte Gültigkeit für jedes Kleidungsstück (also auch die Stoffmasken, genauso die Einwegmasken), das in den Wirtschaftsraum Europas eingeführt wird. In Amerika existiert ein entsprechendes Abkommen, es nennt sich „Toxic Substances Control Act (TSCA)“. Noch 2018 verlautbarte die Europäische Union zudem, dass ihre Bestimmungen in Bezug auf die Bekleidungs- und Textilindustrie nachzuschärfen seien.

Kunststoffmasken
Kunststoffmasken

Was sagt Greenpeace?

„Wir würden gerne noch strengere Grenzwerte sehen, aber die EU-Verordnung ist bereits ein bedeutsamer Schritt.”

so spricht der Wissenschaftler Dr. Kevin Brigden, ein leitender Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Doch der Aktivist schränkt schnell und sehr kritisch ein.

„Aktuelle Regulierungen decken nicht alle gefährlichen Chemikalien ab.“

Giftstoffe in Kleiderstoffen und Kleidung: Die Wirkung in Bezug auf Umwelt und Gesundheit

Eine Vielzahl der Chemikalien, die bei der Produktion von Kleidern, Stoffbahnen zwingend benötigt werden – ganz besonders die Farbstoffe – sind prädestiniert, Kontaktdermatitis beziehungsweise ernsthafte allergische Hautreaktionen hervorzurufen. Darum wird immer wieder nachdrücklich empfohlen (auch von der Industrie), Kleidung, bevor man sie das erste Mal trägt, mindestens einmal zu waschen, um chemische Rückstände im Stoff zu entfernen.

Enorm hohes Risiko für die Arbeiter bei der Herstellung

Dr. Linda Greer denkt an die Auswirkungen der giftigen Stoffe auf die ArbeiterInnen in der Bekleidungsindustrie. Gerade in Ländern außerhalb der Gesetzgebung von USA und Europäischer Union.

„Die Belastung bei der Herstellung von Kleidung ist sehr hoch“

sagt Dr. Greer.

Die Auswirkungen auf die Umwelt sind schlicht und einfach fatal, wie wir mittlerweile alle wissen.

„Viele dieser Chemikalien werden in Flüsse, Fließgewässer und in den Ozean gespült“

betont Greer resigniert. Stelle man Kleidung industriell her, würden Chemikalien in großer Menge, in ausgesprochen gefährlichen Konzentrationen freigesetzt. Die wiederum gelangen über die Wasserlebewesen, welche sie aufnehmen, in unsere Nahrungskette.

Dont be afraid
Dont be afraid

Statistiken sprechen gegen China

Sieht man sich die Zahlen an, fällt auf, dass in China jedes Jahr wesentlich mehr als 2,8 Milliarden Tonnen vergiftetes Brauchwasser entstehen. In der Volksrepublik sind mittlerweile mehr als 75 Prozent der noch vorhandenen See und Flüsse vergiftet. Schon in einer Studie aus dem Jahr 2012 wird schlüssig dargelegt, dass mehr als 20 Prozent der industriellen Wasserverschmutzung insgesamt, auf die Farbzusätze beziehungsweise die Endbearbeitung der Stoffbahnen, der Kleidung, der Textilien, zurückzuführen ist. 72 bekannterweise hochgiftige Chemikalien werden auf diese Art und Weise der Wasserversorgung zugesetzt.

Gerade in der Umgebung von chemischen Produktionsanlagen zeigt die industrielle Herstellung dieser Chemikalien ausgesprochen negativen Einfluss auf die Boden- Wasser- und Luftqualität. Sieben Prozent der globalen Emissionen an Kohlenstoff stammen aus chemischer und petrochemische Industrie. Das besagen Daten der Internationalen Energieagentur.

Plastikmaskenverbot
Plastikmaskenverbot

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