Ein neues Babel?

Notwendige Schablonisierung?

Eine der Grundlagen des dualistischen Denkens und seiner Spiegelungen in dieser Welt ist sicherlich die Sprache, die Definition von Begriffen. Will meinen, etlichen Begrifflichkeiten sind schlicht und einfach feststehende, generelle Bedeutungen zugeordnet, die es der breiten Masse erst möglich machen, sich ihr Bild der Dinge zu zeichnen. Aus diesem Bild entsteht dann das, was man als „Krieg“ oder “Revolution“, „Wirtschaftswunder“ „Wirtschaftskrise“ „Diktatur“ oder zum Beispiel auch „Wohlstand“ nennt.


Natürliche Evolution der Sprache?

Natürlich – das ist der Lauf der Dinge – wandeln sich die Bedeutungen der Wörter im Dahingleiten der Zeit. Was vor etlichen Jahrzehnten einmal – nur als Beispiel – für den Begriff „Reich“ stand, (um materiellen Sinn) ist heute schon nicht mehr so zutreffend. Doch ist dies ein sanfter Wandel der Bedeutung, der mehr zur Glättung und Beruhigung der Sprachwelt beiträgt, als er zerstören würde. Unsere, aus all den sich langsam wandelnden Bedeutungsfragmenten zusammengebastelte Sicht der Dinge, wird dadurch nicht in einer Weise verändert, die Aufsehen erregen würde.


Verständnisbild der Menschheit?

Der denkende Mensch, der diese Konstellation von Sprache und Selbstbildnis der gesellschaftlichen Tendenzen, die sich, allgemeingültig, dann auch in dem niederschlagen, was gemeinhin „Politik“ genannt wird, der Machthaber, der diese Verbindung erkennt, hält einen Schlüssel zum Lebensbild der Menschheit in der Hand. Das Verhältnis von definierten Begrifflichkeiten und erlebtem Gesellschaftsbild schien lange Zeit nur bedingt manipulierbar. Das Aufkommen des Buchdrucks, der Medien, zementierte (anfangs) diese Bedeutungshoheit gewisser Wörter noch, eklatante Bedeutungswandelungen waren Seltenheit.

Sprache der Politiker?

Die Waffen der Macht sind bis dahin klar Wörter, Schlagwörter. Man benutzt bestehende Denkschablonen, bringt sie in Zusammenhänge, verdreht sie vielleicht noch – biegt sie zurecht. Doch in letzter Bedeutung tat die Politik, die Machthabe, immer einen Kniefall vor dem, was feststehende Definitionen von Wertigkeiten darstellten. Die Arroganz besaß – so schien es, gewisse Grenzen.

Bis dahin recht eindeutig

Eine relativ klare Struktur der Gesellschaft: Hier ist das kontroverse Bild, das sich das Volk von seiner Situation zeichnet (unter Zuhilfenahme feststehender Denkschemata, Definitionen, mithilfe von Lehrsätzen und Urteilen, fixierten Einordnungen) dort ist das, was die Macht aus diesen Bildern in ihrem Sinn formen möchte. Bis dahin noch alles reichlich eindeutig. Rechts, Links. Braun, Rot. Verrückt, Träumer.


Gespräche und Diskussionen möglich?

Es herrscht also ein gewisser Konsens. Das macht Diskussionen möglich, die Ergebnisse zeitigen, das ist immer noch eine Atmosphäre, in der „vernünftige“ Gespräche, Vereinbarungen, möglich sind. Es ist möglich, Informationen auszutauschen – denn es herrscht ein allgemeingültiger Konsens über bestimmte Basiswahrheiten. Das meint auch, dass gewisse Postionen der Dinge „in relativer Wahrheit“ erkannt werden. So die Tendenz des Kapitalismus, sich selbst zu zerstören.


Auflösung rudimentärer Denkkonstruktionen?

Es ist nun die Frage, wer zuerst da war – die Henne oder das Ei. Denn wer kann sagen, ob die Auflösung der Definitionen, der Begrifflichkeiten, der rudimentären gesellschaftlichen Denkkonstruktionen, die wir in unseren Tagen ganz vehement und überdeutlich erleben, eine Folge des sich auflösenden kapitalistischen Gedanken ist – oder aber eine gewollte Änderung der Konstellation, der Gewichtung auf diesem Erdball, durch die, welche in der Lage dazu sind.

Änderung der Strategie?

Offensichtlich ist – wir stecken in einer Art von „Babel“ einer Verwirrung der Sprachlichkeit. Was heute noch tiefschwarz schien, zeigt grüne Schlieren, links und rechts als politische, gesellschaftliche, Positionierungen gibt es nicht mehr, gesund ist nicht mehr gesund. Der Begriff „Krank“ hat 10 000 Abstufungen. Grundrechte sind plötzlich relativ. Alle nur möglichen Richtlinien, (auch Schablonen) die ein gemeinsames Denken und Handeln der Menschen (des Volkes!!) ermöglichten, sind außer Kraft gesetzt.

Fazit

Dies ist ein durchaus epochales Geschehen. Es entspringt der Tatsache, dass eine Fortführung des kapitalistischen Systemgedankens von immerwährendem Wachstum (ohne den die globale kapitalistische Idee eingehen würde, wie eine Primel) in der bisherigen Gewichtung der Interessen auf diesem Erdball, absolut nicht vereinbar ist. Eine derartig gewaltige Umwälzung, wie sie notwendig ist, den gewinnmaximierenden Gedanken aufrecht zu halten, noch zu stärken, ist nur mit einer zutiefst verwirrten Menschheit möglich, die verzweifelt nach jeder Perspektive greift, die ihr in ihrem Unverständnis angeboten wird.

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